KUNST RAUM VILLACH HAUPTPLATZ 10, 9500 VILLACH

Ina Loitzl, Videostill aus 16 Fragen vor dem Einschlafen, 2008, Videoanimation

8. Oktober bis 17. Dezember 2021

 

Mensch & Zeit

 

Eine Ausstellung fließt durch die Gänge der Wirtschaftskammer Kärnten in Klagenfurt

 

Die Zeit ist für den Menschen wohl ein Dauerthema. Wodurch sich Zeit als Phänomen, als physikalische Größe oder als lebensgefährliche Dimension auf den Menschen ausdrückt, zeigt sich in vielen Facetten. Wie Zeit in der Kunst dargestellt werden kann, welche Perspektiven sie eröffnet, und wie viele unterschiedliche Qualitäten von Zeit sich durch Kunst auftun, zeigt die Ausstellung „Mensch & Zeit“.

 

Werke von 18 Künstler*innen mit teils vollkommen neuen Arbeiten präsentiert die Leiterin des Kunstraum Villach, Olivia Clementschitsch in Kooperation mit der Wirtschaftskammer Kärnten in den Gängen der WKO sowie des WiFi in Klagenfurt. Drei Werke aus der Ausstellung finden sich im kaz.-Kalender 2021

 

 

Begrüßt wird man am Eingang, im Foyer des Klagenfurter Wifi von einem riesigen, farbig-stimmungsvollen Gemälde von Richard Klammer. Als „Wörtherseefavela“ betitelt, findet sich in der Ausstellung ein Pendent dazu mit dem Titel „Alpine Favela“. Beide Bilder verweisen auf eine Zeit, in der Chalets die Berge überhäufen und Appartementhäuser als Kapitalanlage die Wörthersee-Ufer fluten.

 

Leichtfüßige wie unbedarfte Jugendlichkeit in malerisch, floralem oder animalen Umfeld, in dem die Zeit still zu stehen scheint, stellt Elisabeth Wedenig in ihren fließenden und doch klaren Bildern dar.

 

Heimat spielt in Ina Loitzls Werk eine große Rolle: hier stellt sie in Collagen „Heimatträume“ dar, die geprägt sind von idyllisch-romantisierten Versatzstücken traditioneller Heimatvorstellungen in grafischer Auseinandersetzung mit den, ebenfalls für die Heimat am Lande so typischen Bauwerken wie Strommasten oder Einfamilienhäuser. Mit Nadel und Faden hat die Künstlerin hingegen unübersehbare Zeichen der Zeit in unserer Landschaft, wie Windradturbinen oder Satellitenschüsseln „erstickt“.

 

Nicht aus der ästhetischen Zeit gefallen ist die gestisch-abstrakte Mischtechnik des in Klagenfurt geborenen und bereits verstorbenen Malers Hartmut Urban aus den 1980er Jahren. Leichtigkeit versprüht das Bild, spontane Emotionalität, die in eine dynamische Tiefe vordringt.

 

Anhand der Fünf Elemente stellt Michaela Wiegele die Dynamik der Zeit dar in stelenartigen Hochformaten dar. In kraftvoller Dynamik erscheinen sie in der Farbkraft ganz im Fluss, also ganz in ihrer Bestimmung.

 

Technisch den impressionistischen Meistern ähnelnd, erforscht Markus Orsini-Rosenberg seit Jahren mit Pinsel und Farbe die Natur, um sie auf Leinwand festzuhalten. Durch die Vergänglichkeit des Brennens hindurch blitzen in den lodernden oder schwelenden Lagerfeuern dynamische Momente von ungeahnten Pastellfarben.

 

Etwa 340 Millionen Jahre alt ist Marmor. Céline Struger setzt ihre künstlerischen Auseinandersetzungen in Reminiszenz an den Landart-Künstler der ersten Stunde Robert Smithson direkt in Marmorbrüche und interveniert dort mit roten oder violetten Flüssigkeiten.

 

Zerfurchtes oder überdimensioniertes Gemüse, das viel Zeit hinter sich zu haben scheint, liegt im Fokus von Gernot Fischer-Kondratovitch. Sinnlich-organisch mit Buchstaben oder geheimen Zeichen übersät oder schattenspendend werden sie zu Objekten, die uns zwar bekannt sind, denen eine andere, uns nicht definierbare, Zeitdimension innewohnt.

 

Eine völlig andere Zeitqualität als Natur hält Markus Rauchenwald in seinen Fotos fest. So fließen in der Aufnahme mit den Gebäuden in Marokko alte und neue Baustrukturen ineinander und sind erst bei genauem Hinschauen in ihrem Alter erkennbar.

 

Die Zeitlichkeit von Mode inszeniert Nina Hader in ihren Fotografien durch eine junge Frau in floralem, rotem Bademantel in unterschiedlichen Situationen in ihrer Wohnung. Gibt sie selbst Hinweis auf eine eventuelle Jahreszahl oder sind es die Accessoires? Ist es ihre Frisur, ihr Make-up, ihre Haltung, ihr Blick?

 

Wie Designer-Wanduhren muten die farbintensiven, leuchtenden Kreise von Alina Kunitsynas Lichtinstallation an. Eher an den Mond erinnern ihre, farb-kontrastierenden Arbeiten mit dem Titel „Cellula“, was wiederum auf Zellen verweist – beides Grundlagen des wiederkehrenden Lebenskreises.

 

Durch viele bunte Plastikschraubverschlüsse hindurch, die in schäumendem Wasser schwimmen, ist ein Kopf ausmachbar: Martha Laschkolnig und Marie Lenoble bieten als Künstlerinnenduo OneTwoMuch durch geistreich-witzige Darstellungen eine Reflexion zur Lage der Zeit. Das unbeschwert aussehende Foto thematisiert die Verschmutzung der Gewässer und Meere durch Plastik und Chemikalien. Das Bild ist auch im kaz.-Kunstkalender 2021 zu finden.

 

Planetare Kreislinien und Angaben zu den Dimensionen von Sonne oder Sternen legt Isabel Belherdis über geheimnisvoll aussehende Frauenportraits. Dadurch erweitert sie den Kosmos der Weiblichkeit in eine tiefere Dimension, die wir zeitlich nicht fassen können.

 

Dass Kunstwerke selbst auch durch ihre Materialität an Zeit gebunden sind, wird durch die Skulpturen von Rene Fadinger sichtbar. Leicht und durchlässig ist seine geometrisch-verkantete Form „Tanzende“, das lackierte Eisen beständig.

 

Frauenfiguren finden sich auf den kleinen, quadratischen Blättern von Lisa Maria Wagner. Fein gezeichnet und umgeben von floralen Motiven, die von unserer natürlichen Vergänglichkeit zeugen und uns in einen Lebenskreislauf einbetten.

 

Wie alt die Frau mit der Katze auf ihrem Rücken ist, ist nicht ausmachbar. In breiten Pinselstrichen lässt Guido Katol das Gesicht der jugendlich strahlenden Frau in unbestimmtem Alter – ob der Ring an ihrer rechten Hand etwas vermuten lässt? Auch Guido Katol ist im kaz.-Kalender 2021 vertreten.

 

Eine Andeutung eines Frauengesichtes mit einem Telefonhörer in der Hand. Ein an sich nicht unbekanntes Sujet – zumindest bis vor einigen Jahren. Ob ein gemaltes Smartphone die gleiche Spannung erzeugen kann, wirft Daniel Hosenbergs Bild auf einer PVC-Plane als Frage auf wie auch die Schnelllebigkeit von Dingen oder ob dieser Gegenstand bei jungen Menschen überhaupt noch erkannt wird.

 

Sheida Samyi setzt sich in ihren Grafiken direkt mit der Zeit auseinander. Sprache und Aussage sind unmittelbar verbunden, lassen aber auch Raum für eigene Interpretationen. „Missing Link“ der Künstlerin ist auch im kaz.-Kalender 2021 zu sehen.

 

Eine größere Dimension von Zeit hat Benjamin Feldgrill mit Acryl, Pigment und Tusche auf Leinwand gebracht. Verschlungene Ellipsen und scheinbare Wurzelverflechtungen begeben sich in den planetarischen Raum, wo man mit Lichtjahren in eine größere Zeitdimension driftet und der Unendlichkeit nahe ist.