KUNST RAUM VILLACH HAUPTPLATZ 10, 9500 VILLACH

Pinocchios amouröse Abenteuer, (2010)

Rollenspiele auf einer imaginären Bühne lassen in den Bildern von Berenike Wasserthal-Zuccari Emotionen entstehen: Alle meine Entlein (Selbstporträt), 2009

Von Menschen und Zwergen …

 

Ein neuer Kunstort am Villacher Hauptplatz zeigt Berenike Wasserthal-Zuccari und ihre theatralisch aufgeladenen Bilder

 

Der Kunst Raum Villach lädt zu einer faszinierenden Reise zwischen Fiktion und Wirklichkeit. Den Bildern von Berenike Wasserthal-Zuccari haftet genauso der Charme der Popkultur an, wie das Eintauchen in eine erotisch frivole Märchenwelt.

 

Bühne.

Schon seit einiger Zeit besteht eine intensive Zusammenarbeit mit der bei Graz lebenden Künstlerin Berenike WasserthalZuccari, die nach ihrer Ausbildung der Malerei auch ein Studium für Kunstgeschichte und Bühnenbild absolviert hat. So lassen sich in ihrer figurativen Malerei deutlich Assoziationen zur Welt des Theaters finden. Inszenierung und Licht spielen in diesen hyperrealistischen zum Teil großformatigen Bildern eine bedeutende Rolle. Ihre Motivwahl reicht vom Porträt dabei im Vordergrund die distanzierte Selbstbespiegelung bis zu ironisch grotesken, manchmal auch rätselhaft scheinenden, Bildkompositionen mit Versatzstücken aus vergangenen Tagen.

 

Pose.

Als leidenschaftliche Sammlerin von Spielzeug und Design der 40er bis 60er Jahre macht sie Comicund Märchenfiguren, Pinupgirls und Alltagsaccessoires zu Akteuren in einem von ihr inszenierten Rollenspiel auf einer imaginären Bühne. Pinocchio als hinterlistiger, fast ist man versucht zu sagen lüsterner, Gnom, der mit Damenschuhen (Marke 40er Jahre) „spielt“, das PEZGirl mit Mickymausspender als Schusswaffe oder der Gartenzwerg in zweideutig voyeuristischer Pose sind nur einige der Protagonisten, die WasserthalZuccari auf ihre Bühne stellt. Rote Damenschuhe spielen dabei oftmals eine zentrale Rolle und sind wohl als Zitat für Weiblichkeit und Erotik und vieles mehr zu lesen. Quackenten, Blechfrösche und ausrangierte Puppen fliegen zum Teil auf verstörende Weise durch das Bild, in Kombination mit realen Porträts erzeugen sie eine faszinierende Spannung zwischen Realität, Fiktion und Skurrilität.

 

Wunder.Kammer.

Die Bildausschnitte, die die Künstlerin wählt, sind als Momentaufnahmen zu verstehen. Wie sie die Bewegung in der Luft festgehalten in einer Nanosekunde eines Geschehen darstellt, ist brillant und macht vielfach den Reiz der Kompositionen aus. In ihren Nahaufnahmeporträts zeigt sie eine meisterliche Darstellung von Emotionen ohne jemals „Zurschaustellend“ zu agieren. Als im besten Sinne „theatralisch“ könnte man diese Porträtbilder bezeichnen, die den Betrachter sofort in ihren Bann ziehen. Das Gesicht fungiert dabei als Mitteilungsmedium um Stimmungen und Emotionen im Bild zu transportieren. Durch die Figuren und Attribute, die sie den Porträtierten beigibt – und die ein Eigenleben zu führen scheinen –, wird das Verhältnis von Hauptdarsteller und Nebenfigur ad absurdum geführt.

 

Die Malerei von Berenike WasserthalZuccari beeindruckt durch zeitgemäße Individualität, überzeugende technische Brillanz und entführt den Betrachter in eine Welt des Staunens, in Wunderkammern und mehrdeutige Kuriositäten. Sie inszeniert ihre Geschichten auf der Leinwand in hartem künstlichen Licht und stellt ihre Protagonisten in einem dunklen weiten Bühnenraum ins Rampenlicht. Das Faszinierende daran ist die spürbare Distanz, die sie sich vorbehält, und das Spiel mit den Emotionen des Betrachters, einem Spiel, in dem sie lediglich als glänzende Moderatorin auftritt.

 

Ulli Sturm

 

 

Dezember 2011