KUNST RAUM VILLACH HAUPTPLATZ 10, 9500 VILLACH

URBAN GARDENING

 

Der Verlust von Gärten ist nicht nur eine Begleiterscheinung von Flucht und Migration sondern geht auch einher mit der zunehmenden Verstädterung und Industrialisierung der Erde und der Übernahme unserer Nahrungsmittelproduktion von Agrarindustrien. Dabei geht der unmittelbare Bezug zu Naturprozessen und Werdegängen von Nahrung verloren, billige Verfügbarkeit zu jeder Jahreszeit – so passt sich das Angebot den Konsumwünschen an.

 

Wenn wir zurückgehen zu den Ursprüngen der Gartenkultur in Persien in vorislamischer Zeit, so diente der Garten umgeben von hohen Steinmauern und ausgestattet mit Brunnen, der Kontemplation, der Besinnung, der Poesie. Sowohl Zier als auch Nutzpflanzen standen im engen Dialog zueinander. Der Innenhof des Hauses Hauptlatz 10, im Kunstraum Villach wird durch den Hofwirt Gastgarten im hinteren Teil regelmäßig von Besuchern frequentiert, es befindet sich auch das Büro der neuen Bühne Villach mit einem eigenen im Projekt integrierten Stiegenaufgang und eine Ordination für Neurologie und Psychiatrie. Als „Einkehr“ wird der Innenhof von Besuchern durchquert.

 

Als „Urban Gardening“ Installation ist er zugleich zeitgenössisch und zukunftsweisend wie auch erinnerungsbezogen, an Vergangenes oder Verlorenes anknüpfend. Durch das Konzept der ungewöhnlichen Objektbepflanzung und Positionierung werden auch Thema wie Migration, Abfahrt, Ankunft, Flucht angedeutet und thematisiert. Sie tauchen in einem Innenhof gleichsam in einen verlorenen Garten sowie in Visionen von bepflanzten Städten der Zukunft, hören manchmal Geschichten, können den lebendigen Veränderungs- und Wachstumsprozess der Pflanzen mitverfolgen.

 

Begleitend zu der Ausstellung Bosnische Wege im Kunstraum Villach, wo Kriegsvisionen der Künstlerin Ida Srkalovic, (Absolventin der Kunstakademie Sarajevo) gezeigt werden, sind die Schuhe sowohl eine Ermahnung an das Vergessen (wo Mensch war wird wieder Natur) oder gleich dem Koffer ein Bild des Fortgehens, des Auseinandergehens oder Wartens auf Aufnahme.

 

Die hängenden Gärten bestanden sowohl aus Nutz- als auch aus Zier- oder Heilpflanzen. Der islamische Garten der aus dem persischen hervorging stellte das Paradies für gläubige Moslems auf Erden dar. Da die bosnische Bevölkerung muslimisch ist gibt es auch hier einen Zusammenhang. Dass den geflüchteten bosnischen Frauen gerade der Garten am meisten gefehlt hat ist sicher kein Zufall, stellt er doch eine Möglichkeit dar in Situationen von Krisen, Verlust und Trauma wieder zu persönlichen Gleichgewicht zu finden.

 

Die Urban Gardening Installation ist ein sehr stark integrativer Prozess, er dient wahrnehmbar zu machen dass Gärten, Pflanzen und Menschen Wanderungsgeschichten haben und dass es vor allem der Krieg ist, der Menschen in die Flucht treibt …

 

Die Bedürfnisse der Bosnischen Flüchtlingsfrauen wurden gehört. Entstanden ist daraus eine neue Bewegung inspiriert von weltweiten Formen von „Community Gardens“ oder (interkulturelle) Gemeinschaftsgärten genannt. Mittlerweile sind es in deutschsprachigen Raum mehr als 130 bekannte Gärten, auch hier in Kärnten gibt es bereits einen, den Interkulturellen Frauengarten in Ebenthal bei Klagenfurt. Hier entstehen kleine Gegenwelten und Experimentierfelder und vielleicht auch neue „Paradiese“ ? ( Paradies= altiranisch: umfriedeter Park, eine „verdichtete Darstellung heilvollen Lebensraumes“ )„

 

 

Teilprojekt und in Kooperation mit dem Kunstprojekt „Bosnische Wege“ / in Kooperation mit der Keramikkünstlerin Magdalena Hochsteiner, Keramikwerkstatt altes Schulhaus / Sirnitz

 

 

30. August bis 31. Oktober 2012