KUNST RAUM VILLACH HAUPTPLATZ 10, 9500 VILLACH

Ida Srkalović BOSNISCHE WEGE

 

Ganz besonders freut es mich, eine Ausstellung eröffnen zu dürfen, die in einem internationalen und kosmopolitischen Kontext steht. Die bosnische, in Graz lebende Künstlerin Ida Srkalović, Abgängerin der Kunstakademie Sarajevo , zeigt erstmals 20 Jahre nach dem Bosnienkrieg einen Aquarellzyklus, der ihre Ahnungen von einem der wohl grausamsten Kriege des 20. Jahrhunderts veranschaulicht. Ida Srkalović stellt erstmals wieder nach so langer Zeit diesen Teil ihrer Malerei in einer kuratieren Ausstellung aus.

 

In einem künstlerischen Drang fertigte sie über Nacht diesen 36-teiligen Zyklus an, den die Künstlerin erstmals der Öffentlichkeit in seiner Gesamtheit preisgibt.

 

Die Eröffnung findet im Rahmen der in Villach schon legendären Veranstaltung GEMMA KUNST SCHAUEN statt, die Villach für 3 Wochen in eine einzige Galerie verwandelt und Künstler in der Bandbreite von ganz etablierten bis zu Sonntagsmalern ausstellt. Eine einzigartige Atmosphäre entsteht.

 

Im Rahmen von GEMMA KUNSTSCHAUEN

 

 

Vernissage: 22. Mai 2012
19: 30 , Kunstraum Haus Hauptplatz 10, Hofwirt Passage, Villach

 

Es spricht: Edith Risse, Kunsthistorikerin Kunst im Öffentlichen Raum und Ko-Kuratorin

 

Musik: Zur Eröffnung spielt der 16 jährige bosnische Kärntner Benjamin Jacubović bosnische Volkslieder, die einen kulturell-musikalischen Einblick in ein faszinierendes Land geben, welches so reich an spannender Kultur und Kulturgeschichte ist. Er wird seit sieben Jahren an der Musikschule Villach unterrichtet .

 

Buffet: Am Eingang zum Haus Hauptplatz 10 kredenzt der Weltladen Villach internationale Weine und in der Hofwirt- Passage erwartet Sie eine spannende Symbiose von Kärnten und Bosnien-Herzogovina: Das biologische Catering Tischlein Deck Dich wird mit Kärntner Produkten nach bosnischen Rezepten des bosnischen Kulturvereines und in Kooperation mit diesem ein Buffet zaubern, wo Sie eine reichliche Auswahl an landestypischen Gerichten mit heimischen Zutaten finden.

 

Ausstellungsdauer: 23. Mai bis 22. Oktober 2012

 

 

Ida Zahida Srkalovic, geboren in Goražde, Bosnien-Herzegowina, Studium an der Akademie der bildenden Künste in Sarajevo bei Ismar Mujezinovic (Diplom); abgeschlossenes Lehramtsstudi-um für bildnerische Erziehung. Kunsterzieherin und freischaffende Künstlerin, 1989-92 Gründung und Leitung der Galerie „Art-Media” in Goražde.

1992 Flucht mit der Familie nach Österreich, 1997 Gründung und Leitung der Galerie „ARTis” in der Grazer Leonhardstraße, 2006 Übersiedlung der Atelier ‒ Galerie „ARTis” in die Sonnenstrasse 24/Wegenergasse. Lebt und arbeitet seit 1992 als Künstlerin in Graz; Malerin, Leiterin von Malkursen; Vielzahl von Projekten und Ausstellungen im In- und Ausland, Mitglied des Steiermärkischen Künstlerbundes.

 

Ausstellung

Zu den prominentesten in Graz lebenden KünstlerInnen mit Migrationshintergrund zählt die bosnische Ma-lerin und Kunstpädagogin Ida Zahida Srkalovic. Charakteristisch für ihre Arbeiten sind die lineare, lyrische Binnenzeichnung und der expressionistische Akkord der Farben, basierend auf starker malerischer Sensi-bilität. Landschaften und Blumen sowie Frauen sind jene Sujets, die man in Österreich mit ihrem Namen verbindet, wobei sie in den letzten Jahren vor allem für ihre Frauenbildnisse von namhaften KritikerInnen sehr gerühmt worden ist. Dennoch sind ihre emotionalsten und künstlerisch bedeutendsten Arbeiten kaum bekannt.

 

In Bosnien war sie eine der ersten StudentInnen, die an der neu gegründeten Kunstakademie von Sarajevo Aufnahme fanden, ihr Abschlussdiplom trägt die Nummer 3. Trotz ihres ganz offensichtlich außergewöhn-lichen Talents, schlussendlich war sie aus Hunderten BewerberInnen aus ganz Ex-Jugoslawien ausgewählt worden, wagte sie aus Ehrfurcht vor großen Vorbildern der europäischen Kunstgeschichte lange nicht sich malerisch zu betätigen. Erst durch die Bekanntschaft mit ihrem späteren Ehegatten Lalo Miralem Srkalovic, einem prominenten Maler, hat sie den Mut gefunden sich auch dieser Kunstsparte intensiv zu widmen.       Daneben arbeitete sie in Goražde als Kunsterzieherin, widmete sich der Herstellung von Stoffpuppen und gründete mit ihrem Mann eine florierende Galerie.

 

Im Juni 1992, am Vorabend der Ausrufung des Kriegszustands, ließ sie alles, was sie in ihrer Heimat aufge-baut hatte, zurück und verließ, von schlimmen Vorahnungen gequält, zusammen mit ihrer Familie, ihrem Ehemann und zwei kleinen Kindern, das Land. Sie flüchtete zunächst zu Freunden nach Serbien (!) und in weiterer Folge nach Österreich. In Bosnien und Herzegowina begannen indessen im Sommer jenes Jahres ethnische Säuberungen und die ersten Internierungslager wurden eingerichtet. Berichte über Massenmor-de drangen im August 1992 an die Öffentlichkeit und erreichten auch die in der Steiermark lebenden Mig-rantInnen, die Familienangehörige, FreundInnen und Bekannte zurück gelassen hatten. Seit jener Zeit leidet Ida Zahida Srkalovic unter Albträumen, sie wacht (auch heute noch) oft in der Nacht auf mit der Befürchtung sterben zu müssen. Visionäre Erscheinungen von gequälten, gefolterten Menschen verfolgten sie, nachdem sie von den schrecklichen Ereignissen erfahren hatte; diese Gestalten, die aus dem Nichts auftauchend ihre Fantasie vereinnahmten, wollten malerisch festgehalten werden. Sie arbeitete während der Zeit des Krieges wie im Rausch ohne nachzudenken und bannte ihre Schreckensbilder auf Papier, ohne die Absicht sie jemals der Öffentlichkeit zu präsentieren.

 

In der neuen Heimat, deren Kultur ihr nicht vertraut war und deren Sprache sie anfangs nicht verstand, war die nach der Flucht völlig mittellose Familie gezwungen sich mittels ihres künstlerischen Könnens den Le-bensunterhalt zu verdienen. Und beide mussten große Abstriche in ihren Ansprüchen machen: Lalo Miralem Srkalovic verdingte sich als Straßenmaler und nahm alle nur greifbaren Aufträge an: Portraits und idyllische Landschaften, fotorealistische Darstellungen und abstrakte Konzeptionen.

 

Ida Zahida Srkalovic ist heute für ihre Blumenbilder in Acryl und Aquarell bekannt, einer oft unterschätzten Technik, die sie allerdings meisterhaft beherrscht. Anfangs war es für die Künstlerin ein Gräuel in diesem Genre zu arbeiten. Aber sie beugte sich der Realität, dass sich derartige Bilder sehr gut verkaufen ließen und perfektionierte ihre Stilmittel. Mit wissenschaftlicher Akribie informierte sie sich genauestens aus einer Vielzahl von Pflanzenbüchern über die Erscheinungsformen der unterschiedlichsten Blumen. Sie bildet die Natur nicht einfach ab, die Realität dient ihr vielmehr als Inspiration für die Bildkomposition, bei der die for-malen Komponenten zusammen mit der delikaten Farbgebung ein harmonisches Ganzes ergeben müssen. Eine Spur von Natur, eine Ahnung der Schöpfung ist stets präsent. Dennoch sind für Ida diese Arbeiten nach ihrem Verständnis keine „Kunstwerke“.

 

Auch in den Landschaftsdarstellungen passt sie sich den Gegebenheiten des Kunstmarktes an, fängt in ihren Bildern die Atmosphäre touristisch attraktiver Orte der Umgebung von Graz in ästhetisch ausgewogenen Kompositionen ein ‒ und kann sie gut verkaufen.

 

Ein zusätzliches wirtschaftliches Standbein schuf sich das Ehepaar Srkalovic mit dem Mal-Unterricht; die bei-den pädagogisch ausgebildeten Künstler hatten jahrelang im Rahmen von Kursen und Workshops gelehrt, bis es ihnen möglich war eine eigene „Mal-Schule“ zu gründen, deren SchülerInnen-Zahl ständig stieg. Da-bei war Ida neben ihrer künstlerischen Tätigkeiten als hervorragende Organisatorin und kluge Rechnerin immer die treibende Kraft, die für das finanzielle Überleben ihrer Familie kämpfte.

 

Diesem Ringen ordnete sie lange Zeit auch ihr Talent und ihre Intentionen unter. Mit Fokus auf die jüngeren Arbeiten kann sie sich in künstlerischer Hinsicht am ehesten mit ihren Frauenbildnissen identifizieren. Ihre weiblichen Sujets gehen von real existierenden Menschen aus, die aber in Idas künstlerischer Sichtweise zu idealtypischen Vertreterinnen der Frauen, voll Würde und Anmut, werden. Gemeinsam ist ihnen der stolze und dennoch geheimnisvolle Blick, der auch auf vielen Fotos von Ida selbst zu finden ist. Ihre Frauengestal-ten sind wie die Blumen und die Landschaften nicht erfunden, sie basieren auf der real existierenden Natur und dem intensiven Studium ihrer Erscheinungsformen, die durch Idas künstlerische Vision belebt und er-höht werden.

 

Diese Ausstellung im Kunstraum Villach will keinen umfassenden Überblick über das künstlerische Schaffen von Ida Zahida Srkalovic vermitteln, sie will vor allem den rational nicht fassbaren, visionären Aspekt in den Arbeiten der Künstlerin in den Vordergrund rücken. Neben einigen wenigen Werken, die beeinflusst von ihrem Studium an der Akademie in Sarajevo entstanden sind, und den Frauenbildnissen, mit denen sie in der jüngsten Vergangenheit reüssieren konnte, stehen jene Arbeiten, die von den furchtbaren Ereignissen des Balkankriegs ausgelöst worden sind, im Vordergrund. Sie heben sich von ihrem übrigen Œuvre in ihrer Intensität und künstlerischen Ausdruckskraft ab und ziehen die RezipientInnen ganz unmittelbar in ihren Bannkreis.

 

Trotz starker Bedenken von in Österreich lebenden BosnierInnen hat sich die Künstlerin entschlossen, diese zum Großteil noch nie der breiten Öffentlichkeit präsentierten Zeugnisse von visionär empfundenem Schre-cken und Grauen über die entsetzlichen Vorkommnisse in ihrem Heimatland, die ihre eigene Psyche emp-findlich beeinträchtigten, erstmals zu präsentieren, auch um zu demonstieren, dass sehr viele MigrantInnen nachvollziehbare Gründe hatten und immer noch haben, als Flüchtlinge nach Österreich zu kommen und hier eine neue Existenz aufzubauen.

 

 

Weitere Termine

 

25.5. 2012 20:00 h
Österreichische Uraufführung des Films SVEDJOK- DER ZEUGE, welcher auf wahren Begebenheiten beruht. Viele Überlebende des Bosnienkrieges sind Mitwirkende des Films. Der kärntnerisch-bosnische Filmemacher Haris Bilajbegović wurde für seine ersten Kurzfilm MOST- DIE BRÜCKE vielfach international ausgezeichnet, und der Film wurde unter anderem bei den Filmfestspielen in Cannes gezeigt. Jetzt präsentiert er im Rahmen GEMMA KUNST SCHAUEN seinen 2. Film, welcher unter anderem von Robert Palfrader synchronisiert worden ist. Im Filmstudio Villach wird der Film am 23. 06. um 18 Uhr erstmals als heimische Kinopremiere gezeigt. Harris Bilajbegović ist ebenso als Schauspieler und Stuntman in österreichischen Filmen zu sehen.

 

Im Rahmen der fünfmonatigen Ausstellung finden zahlreiche Veranstaltungen statt, die das Land Bosnien-Herzogovina und seine Kultur stark in den Mittelpunkt des Villacher, Kärntner wie vielleicht österreichischen Geschehens rücken um für uns neue, vielleicht noch verborgene, Aspekte des Landes kennen zu lernen. Es wird auch ein ausgearbeitetes Kulturvermittlungskonzept für Schulen und Erwachsene geben um tiefer in die bosnisch-herzogovinische Kulturlandschaft Einblick gewinnen zu können.